Studieren mit Kind

Unsere promovierte Autorin schilderte ihre Erfahrungen und teilt wichtige Erkenntnisse aus erster Hand.

Einleitung – Studium und Kind

Den perfekten Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen, gibt es nicht. Immer mehr Frauen wünschen sich Kinder in einem jungen Alter, in dem sie die Karriereleiter noch nicht vollständig erklommen und vielleicht sogar noch nicht einmal ihre akademische Ausbildung abgeschlossen haben. Verzichten möchten sie auf den erfolgreichen Abschluss trotz der Familienplanung allerdings nicht. Studieren mit Kind ist kein Ding der Unmöglichkeit, wie dieser Artikel zeigt – mit zahlreichen Tipps und Hinweisen für ein erfolgreiches Studium mit eigenem Nachwuchs, aber auch einem ehrlichen Blick auf mögliche Nachteile und Entbehrungen, die aus dieser stressigen Kombination resultieren.

Autorinnenporträt
Die Autorin dieses Artikels erwartete selbst ihr erstes Kind zu Beginn des Masterstudiums. Durch früheres Ablegen mehrerer Prüfungen war es ihr möglich, ein Semester vor Ende der Regelstudienzeit alle Prüfungsleistungen erbracht zu haben. Nach erfolgreichem Abschluss des Masterstudiums begann sie ein externes Promotionsstudium. Heute ist sie promovierte Doktoringenieurin und vierfache Mutter.

Akademische Ausbildung trotz Nachwuchs

Es ist heutzutage weder eine Seltenheit noch gesellschaftlich verpönt, auch mit Kindern eine ernst zu nehmende Karriere anzustreben – und als Basis hierfür Ausbildungsmöglichkeiten wie ein Studium in Anspruch zu nehmen. Dementsprechend gibt es heute für Schwangere sowie für Mütter und Väter vielseitige Unterstützung, um eigene Familie und akademische Ausbildung vereinbar zu machen.

So haben etwa Hochschulen in vielen Fällen Beratungsstellen, die sich speziell mit dem Thema Studieren mit Kind auseinandersetzen. Auch Frauenbeauftragte bzw. Gleichstellungsbeauftragte der Universität sind eine gute Anlaufstelle für Fragen rund um diese Thematik.

Zahlreiche Hochschulen bieten zudem selbst eine Kinderbetreuung an, um Studierende zeitlich zu entlasten und zu unterstützen. Nicht zuletzt findet sich auch online Hilfe bei allen Fragen und Problemen, die im Zusammenhang mit dem Studieren mit Kind auftreten können.

Treffen individueller Sonderregelungen

Neben der universitären Kinderbetreuung gibt es oftmals in gewissem Rahmen Möglichkeiten, Sonderregelungen zu treffen, um das Studieren mit Kind zu erleichtern. Wenn die entsprechenden Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner frühzeitig in Kenntnis gesetzt werden, können etwa aufgrund von Schwangerschaft Prüfungen verschoben – und ggf. auch vorgezogen – werden. Dadurch kann der Zeitverlust, der aus möglichen Fehlzeiten – Mutterschutz und Geburt, Kinderbetreuung, Krankheit – resultieren kann, minimiert werden.

Info

Mit geschickter Planung, gründlicher Organisation und viel Kommunikation mit den Verantwortlichen können Versäumnisse akademischer Art wie verpasste Prüfungen oder nicht eingehaltene Abgabetermine für schriftliche Arbeiten sehr klein gehalten werden – ohne Inanspruchnahme mehrerer Urlaubssemester und ohne monate- oder gar jahrelanges Zurückfallen im Studienplan.
Das Ziel solcher Sonderregelungen ist es nicht, die Zeit mit dem eigenen Nachwuchs zu reduzieren. Ganz im Gegenteil geht es darum, insbesondere die Phase der Schwangerschaft und auch spätere Fremdbetreuungszeiten, die ohnehin eingeplant sind, möglichst sinnvoll auszunutzen – um dadurch mehr Zeit für das Kind bzw. die Kinder zu haben, ohne die Regelstudienzeit wesentlich zu verlängern.

Auswahl flexibler Studienprogramme

Vor allem, wenn bereits vor Beginn eines Studiums feststeht, dass die Familienplanung parallel zu der geplanten akademischen Ausbildung stattfinden soll, kann es sinnvoll sein, von vornherein ein Studienprogramm in Erwägung zu ziehen, das besonders flexibel aufgebaut ist. Als Beispiele sind hier das Fernstudium auf Bachelor- bzw. Masterniveau sowie das externe Promotionsstudium, das im besten Fall kaum physische Anwesenheitszeiten erfordert, zu nennen.

Gerade solche flexiblen Studienprogramme eignen sich für das Studieren mit Kind. Das ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass diese nur vergleichsweise geringe Präsenzzeiten erfordern: Prüfungsleistungen können online eingereicht werden, die Kommunikation mit Dozentinnen und Dozenten erfolgt meist digital. Wichtig zu berücksichtigen ist, dass resultierend aus der Abwesenheit vom Studienort der Lernstoff eigenständig erschlossen werden muss. Hier sind also gute Selbstorganisation und Disziplin sehr wichtig, um bei dem überwiegend autonomen Vorgehen nicht den Anschluss zu verlieren.

Meistern stressiger Studienphasen

Vor allem, wenn kein spezielles Studienprogramm, das besonders flexible Abläufe bietet, in Anspruch genommen wird, gibt es in jedem Studium Phasen, die zu einer besonderen Herausforderung werden können. Insbesondere sind hier die Prüfungsphasen in jedem Semester zu nennen. Je nach Studienfach können zudem praktische Arbeitsphasen – beispielsweise Praktika in Unternehmen – oder Projektarbeiten, die sich über mehrere Monate erstrecken und oft in Teamarbeit absolviert werden müssen, anstrengend werden.

Auch für diese Phasen gilt: Gute Organisation und frühzeitiges Kümmern um mögliche Probleme sind essenziell. Ist etwa eine Schwangerschaft bekannt, aber noch kein Kind vorhanden, sollte abgeklärt werden, ob es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt, die beispielsweise längere Aufenthalte im Krankenhaus erforderlich machen kann. Zudem sollte das eigene Befinden im Blick behalten werden. Wenn eine hohe Belastbarkeit in frühen Phasen der Schwangerschaft nach wie vor gegeben ist, dann sollten in dieser Zeit so viele Aufgaben wie möglich erledigt werden. Eventuell können Module, die erst in späteren Semestern im Studienplan stehen, vorgezogen werden; einige Prüfungen können ggf. vorzeitig abgelegt werden.

Zu bedenken ist, dass es nach der Schwangerschaft deutlich schwieriger ist, Pläne für den weiteren Studienverlauf zu schmieden. Der Alltag mit Kind ist eine bedeutsame Umstellung und die neue Rolle als Mutter oder Vater ist so ungewohnt, dass das Planen der Aufgabenerledigung kaum bzw. oft nur mit sehr kurzem Vorlauf möglich ist. Dies erschwert zum einen Teamarbeiten generell und zum anderen auch das Einhalten von Abgabefristen, die sich oft am Ende eines Semesters häufen.

Info
Je länger Aufgaben aufgeschoben werden, umso mehr treten das Familienleben und die Kinderversorgung gedanklich in den Vordergrund, sodass die akademischen Aufgaben zunehmend in den Hintergrund rücken. Schnell ist dann keine Routine mehr gegeben, das Bewältigen studienbezogener Aufgaben wird unwahrscheinlicher. Muss nach mehreren Urlaubssemestern gar mit einer anderen Matrikel weiterstudiert werden, in der sich sehr junge Studierende befinden, die die eigenen Erfahrungen in Bezug auf Kinder und die resultierende Doppelbelastung nicht teilen, kann auch das demotivierend wirken und den erfolgreichen Studienabschluss gefährden.

Setzen von Prioritäten

Obwohl es also sinnvoll sein kann, die Zeit der Schwangerschaft für einen Sprint bei der Erledigung offener Aufgaben zu nutzen, sollten natürlich Probleme während dieser neun Monate nicht unberücksichtigt bleiben. Wenn die Schwangerschaft nicht reibungslos verläuft, etwa mit starker Übelkeit, Blutungen oder anhaltenden Schmerzen einhergeht, so sollte auch dies der Hochschule gegenüber offen kommuniziert werden. In diesen Fällen kann es sich anbieten, Prüfungen zu einem späteren Zeitpunkt zu absolvieren – aber nicht unbedingt erst ein ganzes Jahr später, um sich nicht zu weit vom regulären Studienplan zu entfernen.

Das eigene Kind – ob es nun noch im Bauch oder schon auf der Welt ist – hat natürlich immer die höchste Priorität. Aber auch der eigene Nachwuchs profitiert von dem erfolgreichen Abschluss der akademischen Ausbildung seiner Eltern, weshalb das Studium nicht als eine zusätzliche Last neben der Kinderversorgung betrachtet werden sollte – sondern als eine enorme Chance. Auch die akademische Ausbildung ist sehr wichtig, denn sie erhöht die Chancen auf spätere finanzielle Stabilität.

Kommunikation von Bedürfnissen und Wünschen

Nicht allen Studierenden fällt es leicht, nach Hilfe zu fragen und um eine Sonderbehandlung zu bitten. Trotzdem gilt in dem speziellen Fall des Studierens mit Kind: Je offener Bedürfnisse, Anforderungen und Einschränkungen, die aus der Schwangerschaft oder der Kinderbetreuung resultieren, mit der Universität besprochen werden, umso höher sind die Aussichten auf Erfolg, was beispielsweise Ausnahmeregelungen in Bezug auf den Zeitpunkt des Ablegens von Prüfungen oder ganzen Modulen betrifft.

Jede Schwangerschaft verläuft anders, Kinder verhalten sich unterschiedlich. Nicht zuletzt möchten nicht alle studierenden Mütter und Väter ihre Kinder 40 Stunden pro Woche in Fremdbetreuung geben. Je nach der individuell vorliegenden Situation muss daher die Hochschule informiert werden, um überhaupt angemessen reagieren zu können. Deshalb sollte es in dem Fall des Studierens mit Kind nicht nur nicht unangenehm sein, sondern es ist sogar sehr wichtig, um Unterstützung zu bitten.

Selbstsicherheit in Bezug auf akademische Leistungen

Die Herausforderungen, die das Leben mit einem Kind im Alltag bereithält, unterscheiden sich stark von jenen Aufgaben, mit denen Studierende konfrontiert werden. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass die Selbstsicherheit in Bezug auf das akademische Können und die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten nach und nach verloren gehen – vor allem in Phasen, in denen die Kinderbetreuung gerade Vorrang hat oder in denen Fehlzeiten auftreten, etwa aufgrund von Mutterschutz oder Krankheit. Es ist wichtig, beim Auftreten solcher Gefühle trotz aller Unsicherheit am Ball zu bleiben und nicht aufzugeben – selbst wenn möglicherweise die erzielten Noten etwas schlechter ausfallen sollten. Das Bestehen der Prüfungsleistungen ist wichtig – und zwar mit einer Bewertung, die so gut ist, wie es in der gegebenen Situation eben möglich ist.

Wenn aufgrund der Doppelbelastung starke Unsicherheit in Bezug auf die eigenen akademischen Leistungen besteht oder auch einfach nur eine zweite Meinung zu einer bereits fertiggestellten Arbeit eingeholt werden soll, kann es hilfreich sein, auf externe Hilfe zurückzugreifen. So können etwa Coachings gezielte Unterstützung in allen Phasen der Bearbeitung studentischer Prüfungsleistungen bieten; ein professionelles Lektorat oder Korrektorat für schriftliche Arbeiten gibt zusätzliche Sicherheit hinsichtlich der sprachlichen und fachlichen Korrektheit sowie der Vollständigkeit genutzter Quellen.

Unterstützung durch Familie und Freunde/Freundinnen

Nicht zu vernachlässigen ist die Unterstützung, die Studierende mit Kind von Freunden/Freundinnen und Familie erhalten. Ist ein Partner oder eine Partnerin vorhanden, teilt sich die Last der Versorgung des Nachwuchses auf. Möglicherweise gibt es eine Oma und/oder einen Opa, die/der bereits in Rente ist und deshalb immer wieder auf das Enkelkind oder die Enkelkinder aufpassen kann – etwa wöchentlich, um das Wahrnehmen studienbezogener Termine zu ermöglichen. Auch gute Freunde/Freundinnen können bei der Kinderbetreuung helfen.

Nachwuchs als ideale Vorbereitung auf das Berufsleben

Im Gegensatz zu fast allen beruflichen Tätigkeiten können Fehlzeiträume und Kinderbetreuungszeiten in vielen Studiengängen sehr flexibel geplant werden. Insofern kann sich ein Studium sogar besser als das spätere Arbeitsleben für die Gründung einer Familie anbieten. Wenn eine Vereinbarkeit mit den studentischen Aufgaben zeitweise gar nicht gegeben zu sein scheint, kann auf Urlaubssemester zurückgegriffen werden, zu denen eigene Kinder in erhöhtem Umfang berechtigen.

Möglichkeiten wie diese eröffnen sich in den meisten Berufen nicht und teilweise können entsprechende Anfragen – wenn auch nicht offiziell – langfristig negative Folgen für das berufliche Fortkommen haben. Deshalb kann sich das Studium als am besten geeigneter Zeitraum für die Familienplanung anbieten, um eben nicht auf die nachfolgende Karriere verzichten zu müssen, aber auch nicht zu viel Zeit mit dem Nachwuchs durch Fremdbetreuung zu verpassen.

Info
Der Plan, erst nach Abschluss der akademischen Ausbildung und nach den ersten Jahren im Beruf eine Familie zu gründen, geht für viele Frauen nicht auf. Die Fruchtbarkeit der Frau geht bereits im Alter zwischen 25 und 30 Jahren zurück – mit über 30 spontan und mit einem gesunden Kind schwanger zu werden, ist daher deutlich unwahrscheinlicher, als es das noch mit zehn Jahren weniger Lebensalter gewesen ist. Nicht umsonst ist der Gang zu einer Kinderwunschklinik für viele Paare über 30 – oder gar über 40 – unumgänglich. Diesen Stress und auch die Kosten ersparen sich Frauen, die bereits während ihres Studiums an die Familienplanung denken.

„Wer mit Kind sein Studium absolviert hat, kann auch stolz auf sich sein und bekommt mit Sicherheit ein klein wenig mehr Selbstbewusstsein. Man ist solchen großen Aufgaben gewachsen und auch wenn es nicht immer einfach war, hat man es geschafft. Auch dieses Wissen und das daraus resultierende Selbstbewusstsein können einem beim Bewerbungsgespräch und im Job weiterhelfen.“studieren-mit-kind.org

Nachteile und Entbehrungen

Obwohl vieles für das Studieren mit Kind spricht, gibt es natürlich auch Nachteile und Entbehrungen, die damit einhergehen. Was als Nachteil gesehen und als Entbehrung empfunden wird, ist individuell unterschiedlich. Doch einige wesentliche Punkte in dieser Hinsicht werden nachfolgend aufgeführt:

  • Finanzielle Belastung – Versorgen des Nachwuchses bei gleichzeitig nicht gegebener Möglichkeit einer beruflichen Nebentätigkeit zum Dazuverdienen.
  • Zeitliche Einschränkungen – Partys, ruhige Abende und entspannte Wochenenden existieren mit (kleinen) Kindern nicht.
  • Konkurrenzdruck im Studium – aufgrund des eigenen Nachwuchses sind andere Studierende (zumindest zeitlich) deutlich stärker belastbar.
  • Kurzfristigkeit von Planung und Organisation – Kinder werden krank und ihr Verhalten ist nicht planbar, was eine perfekte studentische Selbstorganisation deutlich erschwert und sehr viel Spontaneität und Flexibilität erforderlich macht.

Studierende Väter

Ein Teil dieses Artikels bezieht sich explizit auf Frauen, indem etwa auf Probleme während der Schwangerschaft eingegangen oder der Gang zu einer Frauenbeauftragten empfohlen wird. Natürlich gelten die Ausführungen zum Thema Studieren mit Kind aber auch für Männer, die mit oder ohne Partnerin bzw. Partner eines oder mehrere Kinder versorgen. Auch sie erhalten Unterstützung und auch für sie sollte der erfolgreiche Abschluss der akademischen Ausbildung eine wichtige Priorität sein, da in Zukunft auch der eigene Nachwuchs davon profitieren wird.

Studieren mit Kind – Fazit

Ein Studium von vornherein parallel zur Familiengründung zu planen, ist aufgrund der Doppelbelastung sowie der diversen Nachteile ein ambitioniertes Vorhaben. Ein Studium ist vor allem phasenweise – in den Prüfungsphasen – sehr stressig und fordert je nach Fachbereich und Studiengang sehr viel Zeit. Aber Studieren mit Kind, ob geplant oder ungeplant, ist alles andere als unmöglich. Es gibt heute viel Unterstützung für Mütter und Väter – von der Hochschule selbst in Form von Beratung und teilweise sogar universitärer Kinderbetreuung, in vielen Fällen von Familie und Freunden/Freundinnen sowie auch durch Unterstützungsangebote, die beispielsweise online recherchiert werden können. Mit guter Planung und Organisation kann das Studieren mit einem oder mehreren Kindern zu einer sehr erfüllenden Lebensphase werden, die von akademischen Erfolgen ebenso geprägt ist wie von der Liebe, die der eigene Nachwuchs schenken kann wie niemand sonst auf der Welt.

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