Mit Struktur und Planung durch den Literaturdschungel – das systematische Review

Das systematische Literaturreview ist ein unumgänglicher Bestandteil in Ihrem persönlichen Methodenkoffer. Wir zeigen Ihnen, wie es geht.

Übersichtsarbeit, Literaturanalyse, systematisches Review – das systematische Literaturreview trägt viele Namen, unter anderem aufgrund seiner weiten Verbreitung in einer Vielzahl von Fachbereichen. Die Zielsetzung ist jedoch immer die gleiche: Thematisch relevante Publikationen mit Bezug zu Ihrer Forschungsfrage sollen gefunden, ausgewertet und im Rahmen einer Diskussion in Ihre schriftliche Arbeit eingefügt werden.

Wozu das Ganze?

Zielsetzung einer systematischen Literaturübersicht

Zugegeben: Das systematische Literaturreview ist bei Studierenden nicht besonders beliebt. Zumindest ungeübte Verfasserinnen und Verfasser stehen zunächst vor einer riesigen Wand aus methodischen Anforderungen und Vorgehensweisen, die es für die eigene Arbeit zu sortieren gilt. Aber keine Sorge, wer einmal verstanden hat, wie es geht, wird das systematische Review wahrscheinlich begeistert in den eigenen Methodenkoffer aufnehmen, denn eigentlich ist es nicht schwierig, aber zweifelsohne zielführend und ertragreich.

Aber wozu soll so ein Review überhaupt nützlich sein? Handelt es sich hierbei nicht um eine ganz normale Literaturarbeit? Nicht ganz, denn die gefundene Literatur wird deutlich unmittelbarer in Ihre eigenen Ergebnisse einbezogen als bei einer klassischen Literaturarbeit. Grundsätzlich verfolgt ein Review das Ziel, Sie durch den unüberschaubaren Dschungel an Publikationen zu geleiten, der Ihnen für die Bearbeitung Ihrer Fragestellung zur Verfügung steht. Wichtig dabei ist, dass Sie nicht einfach nur Informationen aus bereits existierenden Publikationen sammeln, sondern diese tatsächlich systematisch und in Bezug auf Ihre spezifische Fragestellung auswerten. Ein systematisches Literature Review kann sowohl quantitativ als auch qualitativ aufgebaut sein und ist damit ein flexibles Instrument für nahezu jeden Fachbereich.

Literaturreview erstellen
Anleitung Systematisches Review

Vom Datenbankchaos zum fertigen Review

Auch wenn Sie im Rahmen eines Reviews selbst keine Daten erheben, nehmen Sie mit der Erstellung aktiv am Forschungsdiskurs teil. Die Methodik Ihres Reviews sollte daher den wissenschaftlichen Standards folgen und vor allem intersubjektiv nachvollziehbar sein. Das bedeutet für Sie, dass Sie jeden Schritt Ihres Rechercheprozesses genau notieren und im Rahmen eines ausführlichen Methodikkapitels in Ihrer Arbeit implementieren sollten, damit auch andere Personen (unter anderem Ihre Dozierenden!) nachvollziehen können, wie Sie zu Ihren Ergebnissen gekommen sind. Der Ablauf eines systematischen Literature Reviews folgt einem schrittweisen Vorgehen:

  1. Sie präzisieren die Zielsetzung, die Sie mit Ihrer Arbeit verfolgen, und formulieren eine prägnante Forschungsfrage.
  2. Sie bestimmen die Ein- und Ausschlusskriterien, auf denen Ihre Suche beruht.
  3. Sie führen einen ersten Recherchedurchlauf durch.
  4. Sie werten Abstract und Diskussion der gefundenen Studien aus und präzisieren ggf. Parameter für einen zweiten Suchdurchlauf.
  5. Sie führen einen zweiten Recherchedurchlauf durch.
  6. Sie analysieren die gefundenen Studien im Volltext und schliessen solche aus, die sich doch als unpassend erweisen.
  7. Sie diskutieren die Ergebnisse auf Ihre Fragestellung hin.

Gar nicht so schwer, oder? Stimmt! Ein Reviewprozess benötigt vor allem ein präzises Vorgehen und ein genaues Ziel. Wer die Struktur einmal verstanden hat, wird weitere Reviews für ein Kinderspiel halten.

Übrigens:

Wir sind überzeugt, dass das Schwierigste am Verfassen eines Reviews die Frage ist, ob es der, die oder das Review heisst. Damit Sie sich darüber nicht den Kopf zerbrechen müssen, haben wir für Sie nachgeschaut: Der Duden erlaubt alle drei Varianten! Achten Sie in Ihrer Arbeit nur darauf, sich auf eine Variante festzulegen und diese einzuhalten.

Ihr Erfolgsrezept: optimale Ein- und Ausschlusskriterien

Aber Halt, ganz so einfach ist es jetzt doch nicht, denn Schritt 2, das Festlegen der Ein- und Ausschlusskriterien, hat es durchaus in sich. Da mit diesen der Erfolg Ihrer Arbeit steht und fällt, lohnt sich ein genauerer Blick. Also was sind überhaupt Ein- und Ausschlusskriterien?

Als Ein- und Ausschlusskriterium gilt jeder Parameter, der Sie von der Idee eines Literaturreviews zu Ihrer fertigen Arbeit führt. Klassische Fragen, die sich stellen sollten, um Ihre Ein- und Ausschlusskriterien festzulegen, sind:

  • Welche Datenbanken wollen Sie benutzen? Bei interdisziplinären Fragestellungen lohnt oft der Einbezug von mindestens zwei Datenbanken, für sehr fachspezifische Themen können Sie sich mit einer begnügen.
  • Aus welchem Zeitraum werden Publikationen einbezogen? Diese Entscheidung ist höchst fachabhängig. Während beispielsweise in der IT schon Publikationen aus dem Jahr 2017 vollständig veraltet sein können, schadet es in den Geisteswissenschaften oft nicht, den Suchzeitraum grosszügiger zu wählen.
  • In welchen Sprachen suchen Sie? Um Englisch werden Sie nicht herumkommen. Je nach Fachbereich kann es aber zumindest bei Masterarbeiten oder Dissertationen auch notwendig sein, Sprachen einzubeziehen, die Sie selbst gar nicht sprechen, um keine Ergebnisse zu verpassen.
  • Ist ein Peer-Review ein Muss? Ein Peer-Review-Prozess sichert die Qualität von Publikationen im Rahmen eines mehrstufigen Kontrollprozesses durch fachinterne Expertinnen und Experten. Wer nur auf renommierte Journals zurückgreifen möchte, sollte nur Publikationen einbeziehen, die ein Peer-Review durchlaufen haben. Je nach Fragestellung können aber durchaus auch Publikationen abseits vom ‚Wissenschaftsmainstream‘ von Interesse sein.
  • Suchen Sie eine bestimmte Art von Publikation? Wer ein quantitatives Review schreiben möchte, sollte beispielsweise auch nur quantitative Arbeiten in das Review einbeziehen – sonst fehlen schlicht die auszuwertenden Daten.
  • Mit welchen Suchstrings arbeiten Sie? Ihre Suchbegriffe und deren Kombination mit Booleschen Operatoren ergeben sich aus Ihrer Fragestellung. Ein etabliertes System, um von einer Fragestellung zu Suchbegriffen zu gelangen, ist das sogenannte PICO-Schema aus dem Bereich der Medizin und Psychologie, das sich leicht abgewandelt jedoch durchaus auch in anderen Fachbereichen anwenden lässt.

Die schlechte Nachricht: Die Ein- und Ausschlusskriterien sind essenziell für den Erfolg Ihrer Arbeit und müssen von Ihnen selbst sorgfältig festgelegt werden. Die gute Nachricht: Haben Sie die Suchstrings formuliert, machen die meisten Datenbanken den Rest eigentlich von ganz allein. Die meisten wissenschaftlichen Datenbanken bieten umfassende Filtermöglichkeiten, mit denen Sie vorab genau festlegen können, was gesucht werden soll und was nicht.

Arten von Reviews

Das ist schon alles?

Nicht ganz. Im Prinzip beschreibt das systematische Literature Review einen Oberbegriff für verschiedene Methoden, die sich je nach Fachbereich und Schwerpunktsetzung in durchaus wichtigen, aber feinen Nuancen voneinander unterscheiden können. In jedem Fall ist ein Reviewprozess jedoch mit einer sauberen Methodik verbunden, sodass Sie sich stets vorab überlegen sollten, was Ihr Ziel ist und wie genau Sie Schritt für Schritt vorgehen müssen – nichts ist ärgerlicher, als einen mehrstufigen, komplexen Rechercheprozess wiederholen zu müssen, weil Sie im Nachhinein feststellen, dass Parameter falsch gesetzt wurden oder Sie eigentlich doch ein kontextualisierendes Review viel besser gebrauchen können. Was bei wissenschaftlichen Arbeiten im Prinzip immer gilt, ist also beim Review umso wichtiger: Planen Sie Ihren Weg, bevor Sie sich in die Arbeit stürzen – wir sind für Sie da, wenn es bei Planung oder Umsetzung doch einmal haken sollte.

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