Worauf Sie beim Schreiben eines Essays achten sollten

Auf dieser Seite erfahren Sie alles, was Sie beim Schreiben eines Essays beachten müssen.

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BEGRIFFSKLÄRUNG

Was ist ein Essay und was bedeutet Essay?

Der Essay (Plural: Essays, franz. essai = Versuch, Kostprobe) ist ein prägnanter Text innerhalb eines eng definierten thematischen Rahmens, in dem wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene schreibend betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche, gleichwohl nicht beliebige Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema. Ein Essay will interessieren, verständlich und flüssig sein und überzeugen. Wichtig ist daher neben dem Gegenstand der Überlegungen gerade auch das Entwickeln der Gedanken vor den Augen des Lesers. Diese gilt es, stets logisch und angemessen zu begründen und zu erläutern, wozu es auch und gerade einer klaren Argumentationsstruktur („roter Faden“) bedarf.

In puncto Form und Aufbau steht der Essay zwischen Aufsatz und universitärer Hausarbeit. Von dieser unterscheidet sich der Essay in der Regel durch einen geringeren Umfang und das Fehlen expliziter Gliederungspunkte, meist wird auch auf Fussnoten verzichtet. Es geht in einem Essay auch nicht um eine Gesamtdarstellung eines Themas bzw. Problems. Er steht inhaltlich nämlich dem Aufsatz nahe, kann also im Stil eines linearen, d. h. nur eine Perspektive beleuchtenden, Aufsatzes verfasst sein, ebenso aber im Stil eines Erörterungsaufsatzes (wenige!) ausgewählte Aspekte differenzierend und abwägend gegenüberstellend.

Formaler Aufbau eines Essays

Ein gut aufgebauter Essay sollte folgenden Inhalt haben:

  • Einleitung (Hinführung zur Diskussion, zum Problem oder zur Frage mittels Aufhänger oder Anknüpfung an das Seminar)
  • Hauptteil (schlüssiger Argumentationsstrang, Diskussion, Dokumentation der eigenen Position/Aussage)
  • Abschluss (zusammenfassende Darstellung der eingebrachten Perspektiven und Argumente, Resümee)
  • Literatur (Übersicht der genutzten Literatur)
VERGLEICH

„Essay schreiben“ versus „Seminararbeit schreiben“

 

Wissenschaftlicher Essay

Seminararbeit

Knappe und präzise Variante einer wissenschaftlichen Arbeit, die v. a. im englischen Sprachraum gebraucht wird

Beinhaltet individuelle Darlegungen des Autors zu einer (oft) weitläufigen Frage

Hintergrund ist es, einen persönlichen Standpunkt zu beziehen und diesen mithilfe von Argumenten zu festigen

Individuelle Ausarbeitung einer eng umfassten Thematik oder Frage

Mithilfe passender Quellen und Literatur wird ein Forschungsschwerpunkt aus einer speziellen Sicht soweit wie möglich objektiv dargestellt

Typisches Thema für einen Essay:

Diskutieren Sie: Rache ist das allumfassende Leitmotiv in Nathaniel Hawthornes „The Scarlet Letter“

Typisches Thema für eine Seminararbeit:

Farb- und Namenssymbolik in Nathaniel Hawthornes klassischem Roman „The Scarlet Letter“

Quellenanalyse nicht vorgesehen

Analyse von Quellen und Literaturrecherche unverzichtbar

Kein Gebrauch von Fußnoten, Zitate nur wenn nötig, Literatur nur kurz im Text angeben

Zitate nach akademischen Standards in Fußnoten und im Literaturverzeichnis angeben

Gliederung wird nicht optisch vorangestellt, stattdessen wird innerhalb des Essays die Argumentation inhaltlich und thematisch durch Absätze abgegrenzt

Klassische Gliederung/das Inhaltsverzeichnis steht vor dem Hauptteil der Seminararbeit

Jedwede Literatur, die zur Inspiration diente, muss im Literaturverzeichnis/in der Bibliografie angegeben werden

Klassische Literaturangabe im Literaturverzeichnis (in der Bibliografie) nur der in den Fußnoten verwendeten Literatur

Umfang ist von den universitären Vorgaben abhängig

Umfang ist von den universitären Vorgaben abhängig

Essay bedeutet: Vertretung des eigenen Standpunktes; Argumentation; Schlussfolgerung ziehen; Fazit; Überzeugung

Seminararbeit bedeutet: Recherche, Darstellung, Ausarbeitung, Argumentation, Bewertung, Einordnung in einen größeren Zusammenhang

ZUR METHODIK

Darauf sollten Sie beim Schreiben eines Essays achten

Vorarbeiten:

Hinweis

Ein Essay wird ohne umfangreiche Zitate erstellt. Wichtiger ist der Stil, weshalb er keine Fussnoten oder Randbemerkungen enthält.
Üblicherweise enthält ein Essay keine Verweise auf einen anderen Text oder sonstige Quellen.

  1. Klären und erklären Sie die Fragestellung oder die Aufgabe, die Ihnen gestellt wurde.
  2. Überlegen und notieren Sie idealerweise bereits Ihre ersten Gedanken.
  3. Sichten Sie Ihr Material auf diese Fragestellung hin.
  4. Überlegen Sie erneut, formulieren Sie neue Gedanken oder führen Sie bereits verschriftlichte Gedanken fort.
  5. Legen Sie eine Ideensammlung an und ordnen Ihre Gedanken, überlegen Sie dabei auch eine – dadurch keineswegs unabänderliche – Struktur.
  6. Formulieren Sie das, was Sie sagen wollen, in einem Satz.
  7. Fangen Sie einfach an zu schreiben – learning by doing! Wie bei den vorherigen Punkten bereits deutlich geworden sein sollte, kommt es im Wesentlichen auf den Schreibprozess als solchen an. Dieser ist immer auch ein intellektueller Prozess = das Schreiben ist gleichbedeutend mit der Auseinandersetzung mit einem Thema. Sie müssen also das, was Sie schreiben wollen, nicht zuvor fertig im Kopf haben – Textverarbeitungsprogramme verzeihen jeden Fehler. Ihr Ergebnis kann daher ein ganz anderes sein, als Sie evtl. zuvor dachten. Fangen Sie einfach an – und das so früh wie möglich.
Essay schreiben | Symbolbild

Die Ausarbeitung – so schreiben Sie einen Essay

1. Einleitung: Thema benennen, den „Aufhänger“ vorstellen, Vorgehen offenlegen:

Warum ist das  Thema, warum sind die Ausführungen dazu von Bedeutung? Worin besteht das nachfolgend zu lösende ‚Problem‘? Die Relevanz des Themas gilt es, hier herauszustellen und dem Leser schmackhaft zu machen. Dazu eignen sich z. B. bekannte oder prägnante Zitate, oder provokante Thesen, aber auch kurze inhaltliche Hinführungen, welche das Problem als solches beschreiben, können angemessen sein (Beispiele: „Obwohl schon seit einem Jahrhundert beendet, ist es eine bis heute umstrittene Frage, wer die Schuld am Ersten Weltkrieg trägt“ – „An was du dein Herz hängst, das ist dein Gott“ – es scheint, als habe schon Luther geahnt, welche Macht der Konsum später mal erhalten wird“).

Der erste Satz eines Essays sollte kurz und prägnant zum Ausdruck bringen, was Sie über das Thema denken und bei den Lesenden eine Reaktion erzeugen.
Dipl.-Psychologin Miriam Spering (2002, S. 5)

Machen Sie danach transparent, auf welche Art und Weise Sie an das Problem herangehen: Welche Inhalte werden folgen, wie wird der Essay aufgebaut sein? Argumentieren Sie im Stil eines linearen Aufsatzes oder einer abwägenden Erörterung? Was ist die Material- bzw. Faktenbasis? Hier darf und sollte erwähnt werden, dass keine Gesamtdarstellung folgt, sondern eine eng begrenzte Argumentation.

Es ist sinnvoll, die Einleitung erst zum Abschluss der Arbeit zu verfassen, da die Relevanz oft erst während der Beschäftigung mit dem Thema deutlich wird. Hier können Sie dann überblicken, wie Sie vorgegangen sind.

2. Hauptteil:
Beschränken Sie sich auf ausgewählte Aspekte – ein Essay ist niemals erschöpfend, sondern nähert sich einem Problem aus einer eng definierten Perspektive an. Achten Sie darauf, dass die Fakten und Argumente tatsächlich einen Bezug zur Fragestellung haben – Qualität geht hier vor Quantität. Warum Sie welche Inhalte darbieten, muss implizit oder explizit deutlich werden, wenn Inhalte mit Blick auf die Fragestellung gewichtet und bewertet werden – erst dann enstehen aus Inhalten Argumente! Eine reine Nennung und Nacherzählung von Inhalten reicht nicht aus. Beispiele: Ist es für die Frage der Schuld am Ersten Weltkrieg wirklich wichtig, wie alt die europäischen Herrscher waren? Bedarf es für das Thema des modernen Konsums der Angabe des BIP? Aus Wikipedia zu kopieren oder aus Fachbüchern abzuschreiben, ist nun wirklich keine eigene Leistung.

Dabei ist auch darauf zu achten, dass die einzelnen Inhalte bzw. Argumente erkennbar miteinander zu tun haben. Eine reine Aufzählung reicht nicht aus. Gelingt keine adäquate Überleitung zwischen einzelnen Aspekten, sollten Sie deren Relevanz für das Thema noch einmal eingehend prüfen – weniger kann in dem Fall auch mehr sein. Achten Sie dabei insbesondere auf Satzanfänge: Findet sich hier zu oft „weiterhin“oder Ähnliches, deutet das auf einen Aufzählungscharakter der Ausführungen hin, den es unbedingt zu vermeiden gilt.

 

3. Schluss:
Nennen Sie Ergebnis der Ausführungen: Welche sind die Schlussfolgerungen aus dem zuvor Geschriebenen? Beachten Sie dabei erstens die in der Einleitung geöffnete Klammer und verweisen Sie zweitens auf dargebotene Inhalte, aber bieten Sie dabei keine Wiederholung! Ein transparentes und begründetes Urteil ist gefragt – evtl. auch eine explizite eigene Stellungnahme und/oder ein persönliches Wort. Legen Sie dazu ggf. Werte offen, anhand derer Sie urteilen.

Im Schluss müssen sowohl die Einleitung mit der Fragestellung als auch der Hauptteil mit den entsprechenden Inhalten erkennbar verschmelzen. Er sollte so verfasst sein, dass ein Leser auch den Hauptteil übergehen und die Antwort auf die eingangs gestellte Frage plausibel beantwortet finden kann, zugleich ist auf die Inhalte des Hauptteils erkennbar Bezug zu nehmen, ohne dass diese wiederholt werden. Es bietet sich häufig an, auf nach wie vor offene Fragen und/oder weiterführende oder andere verwandte Probleme bzw. Fragen hinzuweisen, die Ihnen nach dem Verfassen des Essays in den Sinn gekommen sind.

 

4. Form:
Die einzelnen Teile werden nicht durch eigene Überschriften bzw. Gliederungspunkte als solche kenntlich gemacht. Lediglich Absätze kennzeichnen die Übergänge – achten Sie also darauf, dass die drei Teile des Essays sich sowohl inhaltlich erkennbar voneinander abheben als auch (trotzdem) flüssig ineinander übergehen.

Das Finish Ihres Essays

Hinweis

Das Entscheidende beim Essayschreiben ist:
Bleiben Sie beim eng begrenzten Thema! Trauen Sie sich, fangen Sie an zu schreiben!

  1. Noch einmal alles überprüfen und den Text so lesen, als wäre es ein fremder Text. Stimmt das, was da steht? Kann man das verstehen? Fehler im Satzbau, in der Wortwahl, in der Grammatik sind zu verbessern, zu knappe Argumente auszubauen, Weitschweifigkeiten zu kürzen. Eventuell sind Textteile umzustellen: Überprüfen Sie die Gliederung. Ist der „rote Faden“ immer erkennbar, sind die Überleitungen gelungen? Passen die Inhalte und Argumente im Hauptteil tatsächlich zum Thema? Ist der Schluss logisch aus dem Hauptteil abgeleitet? Beendet der Schluss die in der Einleitung geöffnete Klammer?
  2. Laut lesen. Stimmen Rhythmus und Melodie? Ist der Text verständlich?
  3. Entsprechend der Vorgaben ein vernünftiges Layout finden. Name und Abgabedatum gehören in der Regel dazu. Wenn es nicht explizit angegeben ist, immer eine Schrift mit Serifen wählen (z. B. Times New Roman). Ein Deckblatt ist genauso wenig erforderlich wie ein Inhaltsverzeichnis. Die Gliederung wird durch Absätze ohne weitere Zwischenüberschriften nachvollziehbar.
  4. In der Regel erfolgt die Angabe der verwendeten Quellen am Ende.
  5. Die Seiten bzw. Zeichenvorgabe einhalten, sofern eine besteht. Eine Seite DIN A4 Times New Roman 12 Punkt 1½-zeilig, 35 Zeilen mit Rand ergeben ca. 2.200 Zeichen mit Leerzeichen.

Symbolismus in Nathaniel Hawthornes klassischem Roman „The Scarlet Letter“ – „Der scharlachrote Buchstabe“

Einleitung

Beginnen Sie damit, zu definieren, was ein Symbol ist und wie es sich auf Literatur bezieht. Warum sind Symbole wichtig, um die Botschaft eines Romans zu verstehen? Sie können diskutieren, wie und warum Autoren spezielle Symbole verwenden, um auf bestimmte Themen oder Motive zu verweisen, oder warum Nathaniel Hawthorne in all seinen literarischen Werken für Symbolismus bekannt ist; man muss die Symbolik studieren, um seine Romane und deren Botschaften zu verstehen. Sie könnten die Symbolik auch darauf beziehen, wie die Puritaner die Welt während der Zeit betrachteten, in der „The Scarlet Letter“ geschrieben wurde und das Buch spielt.

Thesen 1–3

Im Allgemeinen sollte man in diesem Abschnitt drei grundlegende Argumente beleuchten, die die These unterstützen. Spezifiziere Sie Gründe für Ihre Meinung genau. An dieser Stelle sollten Sie Ihren Standpunkt vertreten und im Detail diskutieren.

#1
Sie könnten diskutieren, wie der Buchstabe „A“, den Hester Prynne als Zeichen ihres Ehebruchs tragen musste, ihre Stärke darstellt und dass sie dadurch eher als „fähig“ (engl. „able“), anstatt als Sünderin durch „Ehebruch“ (engl. „adultery“) gilt. Ein Beweis dafür könnte sein, dass sie als Charakter wächst und sich als Figur – auch durch ihren Wissenszuwachs als Schneiderin – weiterentwickelt. Dies stärkt und beeinflusst den Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten.

Sie könnten auch diskutieren, wie etwas (nämlich der Buchstabe „A“), das ihren Scham symbolisieren sollte, stattdessen zum Symbol für ihre Stärke und Ausdauer wurde.
Weitere mögliche Symbole, die in Hawthornes Roman gefunden werden können, sind die Farben Rot und Schwarz. Wenn Sie in diesem Abschnitt darüber schreiben möchten, besprechen Sie, warum die Farben wichtige Symbole sind und was diese repräsentieren.

#2
Wählen Sie für die zweite Argumentation ein anderes Symbol, das in „The Scarlett Letter“ sichtbar ist, etwa den Meteor, der am Himmel gesehen wird. Sie könnten diskutieren, warum dieses Himmelsobjekt symbolischen Charakter hat und was es für jede der Figuren bedeutet. Oder Sie entscheiden sich dafür, die Symbolik des Waldes in Hawthornes klassischem Roman zu diskutieren. Wie verhält sich die Symbolik? Was bedeutet sie und warum? Beweisen Sie Ihre Meinung.


#3

In der dritten These könnten Sie den Charakter von Pearl diskutieren und darauf eingehen, was sie darstellt oder in Bezug auf die anderen Charaktere des Romans symbolisiert.

Eine andere Betrachtungsweise könnte die Symbolik des Namens „Pearl“ sein. Inwiefern unterscheidet sich die Bedeutung des Namens für Hester im Gegensatz zu den Einwohnern der Stadt und Dimmesdale? Legen Sie sehr genau dar, was sie denken und warum; beziehen Sie sich dabei auf Szenen oder Situationen aus dem Roman. Nutzen Sie diese Vorgehensweise für jedes Argument, das diskutiert wird. Jede These sollte einen Absatz umfassen. Je nachdem, wie lang die Arbeit werden soll, kann man für jedes Argument oder jeden Punkt zusätzliche Absätze hinzufügen.

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