Die Gütekriterien der Forschung – Ihr Garant für akademische Glaubwürdigkeit

Unverzichtbar, aber auch eine echte Herausforderung: Mit der Einhaltung von Gütekriterien steht und fällt der Erfolg Ihrer Forschung.

Validität, Reliabilität und Objektivität? Oder doch eher Transparenz, Reichweite und Intersubjektivität? Die Einhaltung von Gütekriterien sichert die ernstzunehmende Teilnahme Ihrer Beiträge am wissenschaftlichen Diskurs und ist unabdingbar. Wir zeigen auf, worauf Sie im Erkenntnisprozess achten müssen.

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Validität, Reliabilität, Objektivität

Gütekriterien in der quantitativen Forschung

Der Name verrät es bereits: Quantitative Forschung beschäftigt sich mit der Erfassung der Lebensrealität auf Basis einer numerischen Darstellung.

Unter den Oberbegriff der quantitativen Forschung werden dementsprechend alle Methoden subsumiert, bei denen grosse Datenmengen erhoben und statistisch ausgewertet werden, um Hypothesen zu überprüfen oder neue Hypothesen abzuleiten. Die Gütekriterien, an denen sich Forschende dabei messen lassen müssen, sind Validität, Reliabilität und Objektivität.

Validität

Die Validität kann grundsätzlich in zwei verschiedene Formen differenziert werden, und zwar die interne und die externe Validität. Eine interne Validität ist dann gegeben, wenn Ihr Forschungsdesign genau das erhebt, was Sie auch tatsächlich erheben wollten (und dementsprechend in der Auswertung interpretieren). Externe Validität ist dann gegeben, wenn die erhobenen Daten eine Generalisierung über den Untersuchungskontext hinaus zulassen.1

Objektivität

Die Objektivität erhebt im wissenschaftlichen Kontext den Anspruch, dass weder die Forschenden noch andere Personen Einfluss auf die Durchführung der Erhebung oder der Auswertung der Daten nehmen. Im wissenschaftlichen Diskurs ist dementsprechend ein klassischer Dauerstreit die Frage danach, ob es vollständige Objektivität überhaupt geben kann – zumindest angestrebt werden sollte sie aber.2

Reliabilität

Unter dem Schlagwort der Reliabilität wird die Messgenauigkeit einer Erhebung erfasst. Ein Forschungsprozess weist eine hohe Reliabilität, d. h. Zuverlässigkeit, auf, wenn er die gemessenen Merkmale ohne Messfehler misst. Wie leicht oder schwierig ist es, Reliabilität zu gewährleisten, hängt stark vom Testdesign ab. So spielen etwa beim Fragebogen – dem Klassiker der quantitativen Forschung – die folgenden Faktoren eine Rolle:3

  • Wo und wann wurden die Daten erhoben? Wer beispielsweise Daten über das normale Pendelverhalten in Grossstädten erhebt, wobei an einem der zwei Erhebungszeitpunkte grad die Fussballweltmeisterschaft stattfindet, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit keine reliablen Ergebnisse erzielen.
  • Welche Rolle spielt soziale Erwünschtheit im Forschungsdesign? Die sogenannte soziale Erwünschtheit beeinflusst Antwortverhalten insbesondere in Befragungssituationen im Direktkontakt, kann aber auch in Onlinefragebögen beobachtet werden. Wer Daten zu heiklen Themen in nicht-anonymen Kontexten erhebt, erlebt womöglich eine Verzerrung der Ergebnisse.
  • Wie neutral ist die Fragestellung? Es liegt auf der Hand, dass ‚Wie genervt sind Sie vom Anmeldeverfahren Ihres Studiengangs?‘ eine andere Grundeinstellung impliziert als ‚Wie beurteilen Sie die Kurszuteilung in Ihrem Studiengang?‘.
1 Moosbrugger & Kelava, 2012, S. 13.
2 Amelang & Zielinski, 2002, S. 152 ff.
3 Moosbrugger & Kelava, 2012, S. 11.
Gütekritieren der Wissenschaft
Transparenz, Intersubjektivität, Reichweite

Gütekriterien in der qualitativen Forschung

Für die qualitative Forschung gelten die oben benannten Gütekriterien in abgewandelter Form. Aufgrund der fehlenden Zahlen- bzw. Statistikbasis liessen sich bei einer qualitativen Methodik analog nur Validität, Reliabilität und Objektivität überprüfen. Stattdessen werden die Gütekriterien der qualitativen Forschung als Transparenz, Intersubjektivität und Reichweite bezeichnet. Trotz der unterschiedlichen Benennung setzen diese jedoch ganz ähnliche Ziele wie die Gütekriterien in der quantitativen Forschung.4

Transparenz

Die Transparenz eines Forschungsvorhabens wird gesichert, indem alle Arbeitsschritte der durchgeführten Methodik nachvollziehbar dargestellt werden – und zwar auch für nicht an der Forschung beteiligte Personen! Persönliche Stichpunkte und Randbemerkungen zum Ablauf des Forschungsprozesses sichern dementsprechend noch längst keine Transparenz. Vielmehr geht es darum, den Forschungsprozess tatsächlich so abzubilden, dass jeder einzelne Schritt rekonstruiert werden könnte. Dabei muss klar sein, dass soziale Wirklichkeit, die durch qualitative Methoden erforscht wird, einem stetigen Wandel unterworfen ist, sodass die theoretische Reproduzierbarkeit des Forschungsvorhabens längst nicht bedeutet, dass auch die Ergebnisse deckungsgleich wären. Wie genau die Transparenz eines Forschungsprozesses ausgestaltet sein muss, richtet sich nach der genauen Methodik und kann nicht pauschal für die Gesamtheit der qualitativen Forschung beantwortet werden. Grundlegende Fragen, die ein transparenter Forschungsaufriss beantworten muss, sind beispielsweise:5

  • Von welchen Personen wurden Erkenntnisse erhoben? Nach welchen Kriterien wurden diese Personen ausgesucht?
  • Wie wurden die Erkenntnisse erhoben? Handelt es sich um eine Beobachtungsstudie? Ein Expert*inneninterview? In welchem Setting fand die Erhebung statt?
  • In welcher Form liegen die Ergebnisse vor? Wurden beispielsweise Audioaufzeichnungen transkribiert? Und wenn ja, wurden sie geglättet oder im Wortlaut transkribiert?
  • Auf welchem Verfahren basiert die Auswertung der Erkenntnisse?

Intersubjektivität

Das Gebot der Intersubjektivität gibt vor, dass die Ergebnisse eines qualitativen Forschungsprozesses kritisch reflektiert und in den Diskurs eingeordnet werden müssen. Im Gegensatz zur quantitativen Forschung, die unter Umständen mit der Erhebung von Daten und deren statistischer Auswertung abgeschlossen sein kann, muss qualitative Forschung also einen Schritt weiter gehen. An dieser Stelle besteht die Herausforderung, dass eine kritische Einordnung in den Diskurs eben auch die Kenntnis desselben voraussetzt. Wer also beispielsweise eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit mit einem qualitativen Forschungsdesign verfasst, muss sich über die eigene Erhebung hinaus fundiert in den Diskurs einarbeiten. Um die Intersubjektivität der eigenen Forschung zu gewährleisten, stehen Forschende vor den folgenden Herausforderungen:6

  • Die eigene Rolle als Forscher*in muss kritisch reflektiert werden: Wie stehen Sie selbst zum Forschungsdiskurs? Mit welcher Einstellung sind Sie in den Erkenntnisprozess getreten? Wie beeinflussen Sie als Person womöglich den Erhebungsvorgang?
  • Die (gezwungenermassen vorhandene) Subjektivität eines qualitativen Prozesses muss im Sinne einer reflektierten Subjektivität offengelegt und diskutiert werden.

Reichweite

Nicht zuletzt gilt es, die Reichweite der Forschung zu diskutieren. Während quantitative Forschung versucht, mit einer möglichst grossen Stichprobe zu arbeiten, um darüber repräsentativ eine Grundgesamtheit abzubilden, geht es in der qualitativen Forschung eher um die Erhebung von relevanten Einzelmeinungen oder Einzelbeobachtungen.7 Die Fallzahlen sind also deutlich geringer – so arbeiten qualitative Masterarbeiten oder Bachelorarbeiten üblicherweise mit einem Umfang von ungefähr 5 Fällen.

Ob qualitativ oder quantitativ – für jeden Forschungsprozess gilt, dass die Einhaltung der Gütekriterien bei jedem Schritt der eigenen Forschung mitgedacht und berücksichtigt werden muss. Eine nachträgliche Anpassung des Erkenntnisvorgangs an bestehende Gütekriterien ist meist nicht mehr möglich. Sie sind sich unsicher, ob Ihr Forschungsdesign diesen Ansprüchen genügt?

Strübing, Hirschauer, Ayass, Krähnke & Scheffer, 2018, S. 83.
5 Steinke, 2010, S. 319.

6 Flick, 2010, S. 395.
7 Heister & Wessler-Possberg, 2011, S. 92.

Verwendete Literatur
  • Amelang, M. & Zielinski, W. (2002). Psychologische Diagnostik und Intervention. Heidelberg: Springer.
  • Flick, U. (2010). Gütekriterien qualitativer Forschung. In G. Mey & K. Mruck (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie (S. 395–407). Wiesbaden: Springer VS.
  • Heister, W. & Wessler-Possberg, D. (2011). Studieren mit Erfolg – Wissenschaftliches Arbeiten. Stuttgart: Schäffer-Poeschel.
  • Moosbrugger, H. & Kelava, A. (2012). Testtheorie und Fragebogenkonstruktion. Heidelberg: Springer.
  • Steinke, I. (2010). Gütekriterien qualitativer Forschung. In U. Flick, E. von Kardorff & I. Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung. Ein Handbuch (S. 319–331). Reinbek: Rowohlt.
  • Strübing, J., Hirschauer, S., Ayass, R., Krähnke, U. & Scheffer, T. (2018). Gütekriterien qualitativer Sozialforschung. Ein Diskussionsanstoss. Zeitschrift für Soziologie, 47(2), 83–100
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